Kennst du das? Du nimmst dir fest vor, im neuen Geschäftsjahr die Umsätze um 10 % zu steigern, endlich regelmäßiger Sport zu treiben oder im Team gelassener zu kommunizieren. Die Motivation ist am Anfang riesig. Doch nach wenigen Wochen verpufft die Energie. Der Alltag holt dich ein, alte Muster schleichen sich zurück, und das Ziel wirkt plötzlich eher wie eine Last als wie eine Inspiration.
Als Mentalcoach und Unternehmensberater erlebe ich das oft: Es liegt meist nicht an mangelnder Disziplin oder fehlendem Willen. Das Problem liegt im Fundament. Das Ziel wurde vom Kopf (Verstand) formuliert, aber das Bauchgefühl (Unterbewusstsein) wurde nicht mit ins Boot geholt.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du mit der POSITIV-Formel nach Daniela Blickhan deine Ziele so gestaltest, dass sie wie ein Magnet wirken. Du lernst, wie du psychologische Mechanismen nutzt, um Widerstände in Antrieb zu verwandeln – egal ob im Spitzensport, im Management oder für deine persönliche Resilienz.
Warum klassische Zielsetzungen oft scheitern
Viele Ziele sind „Weg-von“-Ziele. „Ich will nicht mehr so gestresst sein“ oder „Wir dürfen keine Kunden mehr verlieren“. Das Problem dabei: Unser Gehirn tut sich schwer mit Verneinungen. Wenn ich dir sage: „Denke nicht an einen rosa Elefanten“, woran denkst du? Genau.
Zudem fehlen oft die emotionale Verknüpfung und der Realitätscheck. Ein Ziel, das nicht zu deinen Werten oder deinem Umfeld passt (wir nennen das in der Fachsprache „ökologisch“), wird innerlich sabotiert. Hier setzt die POSITIV-Formel an. Sie ist ein Werkzeug aus dem Mentalcoaching, das Struktur und Intuition verbindet.
Die POSITIV-Formel im Detail
Gehen wir die Buchstaben gemeinsam durch. Nimm dir gerne Zettel und Stift zur Hand und prüfe ein aktuelles Ziel von dir direkt anhand dieser Kriterien.
P – Positiv formuliert
Formuliere dein Ziel so, als wäre es bereits Realität, und verzichte auf Verneinungen. Statt „Ich will nicht mehr unsicher sein“, sage: „Ich trete in Meetings souverän und ruhig auf.“
Der psychologische Effekt: Du gibst deinem Unterbewusstsein ein klares Bild, wohin die Reise gehen soll, statt den Fokus auf das Problem zu lenken.
O – Ökologisch vertretbar
Dieser Punkt wird oft vergessen, ist aber im Change-Management und in der systemischen Beratung essenziell. Frage dich: Welche Auswirkungen hat dieses Ziel auf mein Umfeld? Passt es zu meinen Werten? Was ist der „Preis“ für das Ziel?
- Wenn du beruflich durchstarten willst, was bedeutet das für deine Familie?
- Wenn du als Sportler härter trainierst, was sagt dein Körper dazu?
Ein Ziel ist nur dann nachhaltig erreichbar, wenn es im Einklang mit deinem System steht. Gibt es innere Einwände? Nimm sie ernst und passe das Ziel an.
S – Sinnesspezifisch (VAKOG)
Hier nutzen wir Techniken aus der Hypnose und Imagination. Mache das Ziel für deine Sinne erlebbar. Je konkreter, desto besser.
- Visuell: Was genau siehst du, wenn du das Ziel erreicht hast?
- Auditiv: Was hörst du? Was sagen andere zu dir? Was sagst du zu dir selbst?
- Kinästhetisch: Wie fühlt es sich an? Wo im Körper spürst du den Erfolg?
Praxis-Tipp: Schließe kurz die Augen und stelle dir den Moment der Zielerreichung vor. Wenn dabei kein Kribbeln oder Lächeln entsteht, darfst du emotional noch nachschärfen.
I – Individuell (Selbstinitiiert)
Liegt die Erreichung des Ziels in deiner Macht? „Ich will, dass mein Chef mich mehr lobt“ ist kein gutes Ziel, da du den Chef nicht steuern kannst. Besser: „Ich präsentiere meine Ergebnisse so überzeugend, dass meine Leistung sichtbar wird.“ Übernimm die volle Verantwortung für deinen Part.
T – Testbar (Terminiert)
Woran genau erkennst du, dass du das Ziel erreicht hast? Wir brauchen messbare Kriterien. Das können harte Fakten sein (Umsatzzahlen, Wettkampfzeiten) oder weiche Faktoren, die du skalierst (z. B. „Mein Stresslevel sinkt auf einer Skala von 1-10 auf eine 3“). Setze zudem einen realistischen Termin.
I – Interessant (Identifikation)
Ist das Ziel wirklich deins? Oder ist es etwas, das „man halt so macht“? Dein Ziel muss dich begeistern. Es muss eine gewisse Zugkraft haben. Wenn das „Warum“ stark genug ist, erträgst du fast jedes „Wie“. Im Spitzensport ist das oft der Unterschied zwischen Sieg und Niederlage: Wer brennt mehr dafür?
V – Visionär (Vorstellbar)
Das Ziel darf groß sein, aber es muss für dich vorstellbar bleiben. Es sollte knapp außerhalb deiner Komfortzone liegen – in der Wachstumszone –, aber nicht in der Panikzone. Eine Vision gibt dir die Richtung vor, wie ein Leuchtturm.
Fallbeispiel aus der Praxis: Der gestresste Abteilungsleiter
Lass uns das an einem anonymisierten Beispiel aus meiner Beratungspraxis verdeutlichen.
Ausgangslage: Herr M., Abteilungsleiter, kam völlig erschöpft ins Coaching. Sein Ziel: „Ich will nicht mehr so viel Stress haben und nicht mehr jeden Abend arbeiten.“
Die Transformation mit der POSITIV-Formel:
- P (Positiv): „Ich arbeite fokussiert und verlasse das Büro um 17:30 Uhr mit einem Gefühl der Zufriedenheit.“
- O (Ökologisch): Er prüfte, ob das realistisch ist. Er musste lernen, zu delegieren (Change-Prozess im Team), damit das ökologisch für die Firma funktioniert und das Team nicht überlastet wird.
- S (Sinnesspezifisch): Er stellte sich vor, wie er den Schlüssel im Schloss seiner Haustür umdreht, tief durchatmet und sich frei fühlt (Kinästhetisch). Er „sah“ seinen aufgeräumten Schreibtisch beim Verlassen des Büros (Visuell).
- I (Individuell): Er erkannte, dass ER Grenzen setzen muss, statt auf weniger Arbeit von oben zu warten. Er hat es selbst in der Hand.
- T (Testbar/Terminiert): „Ab dem 1. nächsten Monats verlasse ich an mindestens 3 Tagen pro Woche das Büro vor 18:00 Uhr.“ (Messbares Kriterium).
- I (Interessant): Sein „Warum“ war stark: Er wollte wieder Energie haben, um am Wochenende mit seinen Kindern in die Berge zu gehen, statt auf der Couch zu schlafen.
- V (Visionär): Er sah sich langfristig als moderne Führungskraft, die durch Vorbild und Balance führt, statt durch Selbstausbeutung – ein gesundes Vorbild für sein Team.
Das Ergebnis war nicht nur mehr Freizeit, sondern paradoxerweise auch eine höhere Leistung und Resilienz im Job, weil er seine Batterien wieder aufladen konnte.
Herausforderungen als Chancen nutzen
Das Definieren des Ziels ist der erste Schritt. Doch auf dem Weg werden Hindernisse auftauchen. Das ist normal. Ein mental starker Mensch sieht diese Hindernisse nicht als Stoppschilder, sondern als Wegweiser.
Wenn du merkst, dass du vom Weg abkommst, nutze das als Feedback. Vielleicht war der Zeitplan zu eng (T)? Vielleicht hat sich dein Umfeld geändert (O)? Passe den Plan an, aber behalte die Vision im Auge. Das ist gelebte Resilienz.
Fazit: Klarheit schafft Energie
Ziele, die nach der POSITIV-Formel definiert sind, erzeugen Resonanz. Sie verbinden deinen Verstand mit deiner Emotion. Du musst dich nicht mehr zum Handeln zwingen, sondern wirst von deinem Ziel gezogen.
Deine nächsten Schritte:
- Nimm dir 15 Minuten Zeit für dich – ohne Handy, ohne Störung.
- Wähle ein Ziel, das dich aktuell beschäftigt.
- Gehe die Buchstaben P-O-S-I-T-I-V schriftlich durch. Sei ehrlich zu dir selbst.
- Visualisiere das Ergebnis so intensiv, als wäre es schon geschehen.
Oft haben wir „blinde Flecken“, die uns hindern, wirklich groß oder klar zu denken. Hier kann ein professioneller Blick von außen Wunder wirken. Ob im Einzelcoaching, in der Supervision oder bei der strategischen Ausrichtung deines Unternehmens: Manchmal braucht es nur eine kleine Justierung der Stellschrauben, um eine große Wirkung zu erzielen.
Michael Deutschmann, MSc
Zert. Change-Manager, Akad. Mentalcoach & Supervisor
Persönlichkeits-, Team- & Organisationsentwicklung
6432 Sautens | Dorfstraße 88
Ötztal | Tirol
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Herzliche Grüße
Michael Deutschmann, MSc
Akad. Mentalcoach & Supervisor















































