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Kurzvideo-Sucht, soziale Angst und schlechter Schlaf: Was die Studie wirklich zeigt – und wie du den Kreislauf durchbrichst

Du kennst das vielleicht: Du bist müde. Der Tag war voll. Druck, Erwartungen, vielleicht Streit oder einfach zu viel Input. Und trotzdem greifst du am Abend (oder in der Nacht) wieder zum Handy. Nur kurz. Ein Video. Noch eines. Und plötzlich ist es 01:17 Uhr.

Am nächsten Morgen fühlst du dich wie „nicht richtig da“. Konzentration zäh. Stimmung dünnhäutig. Und irgendwo im Hintergrund die Frage: „Was stimmt mit mir nicht, dass ich nicht einfach aufhören kann?“

In diesem Artikel bekommst du drei Dinge:

  • Klare Keyfacts aus einer großen Studie (n=1.629) zu Kurzvideo-Sucht, sozialer Angst und Schlafqualität.
  • Ein verständliches Modell, warum das zusammenhängt – ohne Moralkeule.
  • Konkrete Tools aus Mentalcoaching, Resilienzarbeit, Change-Management und (sanften) hypnotischen/imaginativen Methoden, die du sofort anwenden kannst.

Die Studie in 90 Sekunden: Was wurde untersucht?

Worum ging es?

Die Studie „Adolescents‘ short-form video addiction and sleep quality: the mediating role of social anxiety“ (Jiang & Yoo, 2024, BMC Psychology) untersuchte bei Jugendlichen:

  • wie stark Kurzvideo-Sucht (Short-form video addiction) mit Schlafqualität zusammenhängt
  • und ob soziale Angst diesen Zusammenhang teilweise vermittelt (Mediationsmodell).

Wer wurde befragt?

  • n = 1.629 Jugendliche aus drei High Schools in Shandong (China)
  • Erhebung: Juni–Juli 2023
  • Durchschnittsalter: 16,54 Jahre
  • Messung per Fragebogen (u. a. PSQI für Schlafqualität, SIAS für soziale Angst)
  • Studientyp: Querschnittsstudie (zeigt Zusammenhänge, keine endgültigen Ursachen)

Die Key-Ergebnisse: Warum das relevant ist

1) Schlafprobleme sind häufig

Die Jugendlichen hatten im Schnitt einen PSQI-Schlafscore von 6,12 ± 3,29. Ein Score > 7 gilt als Hinweis auf Schlafstörung. Die „Detection Rate“ lag bei 31,06%.

Übersetzt: Schlafprobleme sind nicht „Einzelfälle“. Sie sind ein Thema, das Leistung, Stimmung, Immunsystem und psychische Stabilität direkt betrifft.

2) Mehr Kurzvideo-Sucht hängt mit schlechterem Schlaf zusammen

Es zeigte sich ein deutlicher positiver Zusammenhang zwischen Kurzvideo-Sucht und schlechterer Schlafqualität (r = 0,404).

Wichtig: In der PSQI-Logik bedeutet „höherer Score“ = „schlechterer Schlaf“. Das heißt: je mehr Sucht-/Abhängigkeitsmuster, desto schlechter die Schlafqualität.

3) Soziale Angst ist ein Schlüsselmechanismus

Die Studie fand auch:

  • Kurzvideo-Sucht hängt mit sozialer Angst zusammen (r = 0,439).
  • Soziale Angst hängt mit schlechterem Schlaf zusammen (r = 0,457).

Und jetzt der Punkt, der für Mentalcoaching besonders wertvoll ist:

4) Soziale Angst vermittelt einen Teil des Effekts

Das Modell zeigt: Kurzvideo-Sucht wirkt direkt auf Schlafqualität – und indirekt über soziale Angst.

  • Direkter Effekt: 0,248 (das sind 62,4% des Gesamteffekts)
  • Indirekter Effekt über soziale Angst: 0,149 (das sind 37,6%)

Übersetzt: Ein relevanter Teil des „Schlafschadens“ entsteht nicht nur durch Bildschirmzeit, sondern durch das, was innerlich mitschwingt: Unsicherheit, Bewertung, Vergleich, soziale Anspannung.

Das mentale Modell dahinter: Der „unsichtbare Kreislauf“

Ich beschreibe dir das als Kreislauf, den ich in Coaching und Supervision häufig sehe – bei Jugendlichen, aber genauso bei Führungskräften, Sportlern und Musikern:

  • Druck & Überforderung (Schule/Job/Team/Erwartungsdruck)
  • Innere Anspannung (Nervensystem bleibt „on“)
  • Kurzvideos als schnelle Regulation (Ablenkung, Dopamin, „abschalten“)
  • Soziale Vergleiche („alle anderen sind besser/weiter/cooler“)
  • Soziale Angst / Bewertungsstress („wie komme ich rüber?“)
  • Schlechter Schlaf (weniger Erholung, mehr Reizbarkeit)
  • Am nächsten Tag weniger Ressourcen – und der Kreislauf startet neu.

Die Chance: Wenn du an zwei bis drei Hebeln gleichzeitig ansetzt (Körper, Mindset, Struktur), kannst du den Kreislauf spürbar unterbrechen.

Praxis-Tools: Mental stark gegensteuern (ohne Kampf)

Tool 1: 90 Sekunden Atemtechnik zum „Runterregeln“

Wenn du abends merkst, dass du zum Handy greifst, nutze zuerst eine Mikro-Regulation:

  • Setz dich aufrecht hin.
  • Atme 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus.
  • Wiederhole das 10 Atemzüge lang.

Warum das wirkt: Du gibst deinem Nervensystem ein klares Signal: „Gefahr vorbei.“ Das reduziert die innere Notwendigkeit, dich über den Feed zu beruhigen.

Tool 2: Selbstgespräch statt Selbstkritik (mentale Führung)

Viele verlieren den Kampf, weil sie gegen sich selbst kämpfen. Probiere stattdessen diesen Satz:

„Ich muss jetzt nicht stark sein. Ich darf jetzt ruhig werden.“

Oder:

„Ich entscheide nicht gegen das Handy – ich entscheide für meinen Schlaf.“

Tool 3: Imagination (hypnotisch sanft) – „Der innere Dimmer“

Schließe die Augen für 60–120 Sekunden und stell dir vor:

  • In deinem Brustraum gibt es einen Dimmer.
  • Mit jeder Ausatmung drehst du ihn um 5 % nach unten.
  • Wenn Gedanken kommen: „Danke.“ Und weiter dimmen.

Ziel: Nicht Gedanken „wegmachen“, sondern Erregung reduzieren. Das ist Hypnose im alltagstauglichen Sinn: fokussierte Aufmerksamkeit + körperliche Beruhigung.

Tool 4: Die 3-2-1-Abendstruktur (Change-Management für dein Verhalten)

Verhalten ändert sich selten durch Einsicht allein. Du brauchst Struktur:

  • 3 Stunden vor dem Schlaf: keine schweren Konfliktgespräche, keine „letzten Mails“
  • 2 Stunden vorher: Licht runter, Tempo runter, Essen leichter
  • 1 Stunde vorher: Kurzvideos stoppen oder klar begrenzen (Timer), stattdessen Routine (Dusche, Atemtechnik, Lesen)

Das ist Change-Management im Kleinen: Du veränderst das System, nicht nur den Willen.

Tool 5: Soziale Angst entkoppeln – „Vergleich ist kein Beweis“

Wenn du merkst, dass dich Inhalte triggern (Körper, Erfolg, Lifestyle, Leistung):

  • Stoppe kurz.
  • Leg eine Hand auf die Brust.
  • Sag innerlich: „Das ist Vergleich. Kein Beweis.“

Diese Mini-Intervention reduziert die emotionale Ladung. Und genau hier liegt – laut Studie – ein relevanter Hebel, weil soziale Angst den Schlafweg mitprägt.

Übertragung in Leistung, Sport und Organisation: Schlaf ist Strategie

Für Leistungssport & Musik

Schlaf ist nicht „Pause“. Schlaf ist ein aktiver Leistungsfaktor: Regeneration, motorisches Lernen, Emotionsregulation. Kurzvideos am Abend sind oft der stille Gegenspieler von Höchstleistung.

Für Führungskräfte & Teams im Wandel

In der Transformation steigt die kognitive Last. Wenn Schlaf leidet, leidet:

  • Fokus und Entscheidungsqualität
  • Konfliktfähigkeit und Kommunikation
  • Resilienz und Veränderungsbereitschaft

Darum ist das Thema nicht nur „Jugend und Handy“. Es ist ein Kulturthema: Wie gehen wir mit Aufmerksamkeit, Stress und Erholung um?

Warum professionelle Begleitung ein sinnvoller Hebel ist

Viele versuchen es allein über Disziplin. Das funktioniert kurzfristig – und bricht dann wieder. Professionelle Begleitung (Mentalcoaching, Supervision, Change-Management-Beratung) hilft, weil du:

  • dein Muster erkennst, ohne dich zu verurteilen
  • deinen Stress- und Angstkreislauf gezielt regulierst
  • Routinen so gestaltest, dass sie zu deinem Alltag passen
  • im Team/Unternehmen Strukturen entwickelst, die Schlaf und Fokus nicht permanent sabotieren

Vor allem, wenn soziale Angst, Druck oder Versagensängste im Hintergrund laufen, ist es klug, nicht nur am Symptom „Handyzeit“ zu schrauben, sondern am System: Nervensystem, Denken, Umfeld, Struktur.

Abschluss: Kernaussagen auf den Punkt

  • Schlafprobleme sind häufig – und sie sind beeinflussbar.
  • Kurzvideo-Sucht hängt klar mit schlechterer Schlafqualität zusammen.
  • Soziale Angst ist ein zentraler Mitspieler und vermittelt einen relevanten Teil des Effekts.
  • Du brauchst nicht mehr Härte gegen dich – du brauchst bessere Strategien für dein Nervensystem und deine Routinen.

Next Steps: 5 konkrete Schritte für heute

  • 1) Heute Abend: 10 Atemzüge 4/6 (ein – aus) bevor du überhaupt scrollst.
  • 2) Setze eine klare 1-Stunden-Regel: ab dann nur noch Routine (kein Feed).
  • 3) Nutze den Satz: „Vergleich ist kein Beweis“, wenn dich Inhalte triggern.
  • 4) Schreib 3 Zeilen ins Notizbuch: „Was war heute viel? Was brauche ich? Was lasse ich los?“
  • 5) Wenn du merkst, dass Angst/Unruhe der Treiber ist: hol dir Begleitung. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Strategie.

Wenn du möchtest, unterstütze ich dich (oder dein Team/deine Organisation) dabei, aus Druck wieder Fokus zu machen – und aus Schlaf wieder einen echten Leistungs- und Resilienzfaktor.

 

Quelle:
Jiang, L., Yoo, Y. Adolescents’ short-form video addiction and sleep quality: the mediating role of social anxiety. BMC Psychol 12, 369 (2024). https://doi.org/10.1186/s40359-024-01865-9


Michael Deutschmann, MSc

Zert. Change-Manager, Akad. Mentalcoach & Supervisor

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Herzliche Grüße

Michael Deutschmann, MSc

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