Kennst du dieses Gefühl? Der Puls rast, der Atem wird flacher und die Gedanken kreisen unaufhörlich um das nächste Meeting, den bevorstehenden Wettkampf oder die anstehende Umstrukturierung im Unternehmen. Der Druck scheint von allen Seiten zu kommen, und die Erwartungen – vor allem deine eigenen – wiegen schwer. In solchen Momenten fühlen wir uns dem Stress oft hilflos ausgeliefert.
Aber was wäre, wenn ich dir sage, dass Stress nicht einfach „passiert“, sondern maßgeblich in deinem Kopf entsteht? Genau hier setzt das transaktionale Stressmodell von Richard Lazarus an. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dieses psychologische Modell nutzen kannst, um aus der Stressfalle auszubrechen, Herausforderungen als Chancen zu begreifen und deine mentale Resilienz nachhaltig zu stärken. Du nimmst konkrete Werkzeuge mit, die du sofort in deinem Alltag anwenden kannst.
Was ist das transaktionale Stressmodell von Lazarus?
Der amerikanische Psychologe Richard Lazarus hat herausgefunden, dass nicht ein bestimmter Reiz (der sogenannte Stressor) automatisch zu Stress führt. Vielmehr ist es unsere individuelle Bewertung der Situation, die entscheidet, ob wir entspannt bleiben oder in Panik geraten. Stress ist also eine „Transaktion“ (Wechselwirkung) zwischen dir und deiner Umwelt.
Lazarus teilt diesen Bewertungsprozess in drei Phasen ein, die blitzschnell und oft unbewusst ablaufen:
1. Die primäre Bewertung (Primary Appraisal): Was bedeutet das für mich?
Wenn du mit einer neuen Situation konfrontiert wirst (z. B. eine plötzliche Planänderung im Projekt), bewertet dein Gehirn diese zunächst: Ist sie irrelevant, positiv oder gefährlich? Wird sie als gefährlich eingestuft, unterscheidet dein Verstand weiter: Ist es eine Bedrohung, ein Verlust oder eine Herausforderung? Genau hier liegt der erste große Hebel im Mentalcoaching: Wer eine Situation als Herausforderung statt als Bedrohung sieht, aktiviert völlig andere Energiereserven.
2. Die sekundäre Bewertung (Secondary Appraisal): Kann ich das bewältigen?
Im zweiten Schritt prüfst du deine Ressourcen. Hast du das Wissen, die Zeit, die Fähigkeiten oder die Unterstützung, um die Situation zu meistern? Wenn du das Gefühl hast, die Anforderungen übersteigen deine Ressourcen, entsteht Stress. Wenn du jedoch auf deine Fähigkeiten vertraust (Selbstvertrauen), bleibst du handlungsfähig.
3. Coping (Die Bewältigung)
Hier geht es um deine Reaktion. Versuchst du, das Problem aktiv zu lösen (problemorientiertes Coping), oder versuchst du, deine Emotionen zu regulieren, z. B. durch Atemtechniken oder Ablenkung (emotionsorientiertes Coping)?
Praxis-Beispiele: Das Modell im Alltag
Lass uns das an zwei typischen Situationen aus meiner Praxis als Mentalcoach und Change-Manager veranschaulichen:
- Im Business (Change-Management): Eine Führungskraft erfährt von einer massiven Umstrukturierung. Primäre Bewertung: „Das ist eine Bedrohung für meine Position.“ Sekundäre Bewertung: „Ich habe keine Kontrolle darüber und weiß nicht, wie ich mein Team führen soll.“ Folge: Massiver Stress. Durch gezieltes Coaching verändern wir die Perspektive: Die Umstrukturierung wird zur Chance, Prozesse neu zu gestalten (Herausforderung), und die Führungskraft besinnt sich auf ihre bisherigen Erfolge in Krisen (Ressourcen).
- Im Leistungssport: Eine Skirennläuferin steht am Start, das Wetter verschlechtert sich plötzlich. Primäre Bewertung: „Die Piste wird gefährlich.“ Sekundäre Bewertung: „Ich habe bei solchen Bedingungen schon oft Fehler gemacht.“ Folge: Versagensangst. Mit Sporthypnose und Visualisierung trainieren wir, den Fokus auf die eigene Technik zu lenken und das Selbstvertrauen abzurufen: „Ich habe hart trainiert und kann mich anpassen.“
Deine Werkzeugkiste: 4 Impulse für mehr mentale Resilienz
Wie kannst du das Lazarus-Modell nun für dich nutzen? Hier sind praxisnahe Ansätze, um deine Bewertungen bewusst zu steuern:
1. Der Realitäts-Check (Selbstgespräche)
Wenn der Druck steigt, drücke innerlich die Stopp-Taste. Frage dich: „Ist diese Situation wirklich eine existenzielle Bedrohung, oder ist es eine Aufgabe, die ich lösen kann?“ Ersetze destruktive Selbstgespräche („Ich schaffe das nie“) durch förderliche („Es wird anstrengend, aber ich habe schon Ähnliches gemeistert“).
2. Ressourcen-Aktivierung durch Imagination
Stärke deine sekundäre Bewertung. Schließe für einen Moment die Augen und erinnere dich intensiv an eine Situation, in der du einen großen Rückschlag erfolgreich bewältigt hast. Spüre, wie sich dieser Erfolg im Körper anfühlt. Diese mentale Verankerung gibt dir sofortiges Selbstvertrauen zurück.
3. Körperliche Regulation (Atemtechniken)
Stress zeigt sich immer im Körper. Nutze die 4-7-8-Atmung (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen), um dein Nervensystem zu beruhigen. Ein ruhiger Körper signalisiert dem Gehirn: „Die Gefahr ist nicht so groß.“ Das erleichtert eine objektivere primäre Bewertung.
4. Etabliere stärkende Routinen
Ob im Spitzensport oder im Management: Routinen geben Sicherheit. Entwickle eine kurze Morgenroutine, in der du dir deine Stärken und Ressourcen für den Tag bewusst machst. Das bereitet dein Gehirn darauf vor, unvorhergesehene Ereignisse eher als Herausforderung denn als Bedrohung einzustufen.
Fazit: Du hast die Wahl
Das transaktionale Stressmodell von Lazarus zeigt uns eindrucksvoll: Wir sind unseren Umständen nicht hilflos ausgeliefert. Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum – und in diesem Raum liegt unsere Freiheit, die Situation zu bewerten. Indem du lernst, deine primären und sekundären Bewertungen bewusst zu steuern, verwandelst du Druck in Fokus und Herausforderungen in Wachstum.
Deine Next Steps:
- Beobachte dich in den nächsten drei Tagen: Welche Situationen lösen bei dir sofort Stress aus?
- Hinterfrage deine primäre Bewertung: Ist es wirklich eine Bedrohung oder eine lösbare Aufgabe?
- Notiere dir drei persönliche Stärken (Ressourcen), auf die du dich in Krisen immer verlassen kannst.
Manchmal sind die eigenen blinden Flecken jedoch so groß, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. Genau hier setzt professionelle Begleitung an. Ob im Einzelcoaching, in der Teamsupervision oder bei der Begleitung von Change-Prozessen im Unternehmen – als neutraler Sparringspartner helfe ich dir, hinderliche Bewertungsmuster aufzubrechen, mentale Blockaden zu lösen und deine volle Leistungsfähigkeit abzurufen. Lass uns gemeinsam Brücken bauen – von der aktuellen Herausforderung zu deinem nachhaltigen Erfolg.
Michael Deutschmann, MSc
Zert. Change-Manager, Akad. Mentalcoach & Supervisor
Persönlichkeits-, Team- & Organisationsentwicklung
6432 Sautens | Dorfstraße 88
Ötztal | Tirol
Mental Austria – Mentalcoaching & Supervision
Psychologische Beratung – Psychosoziale Beratung
Businesstraining . Vision Michael Deutschmann KG
Unternehmensberatung
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Herzliche Grüße
Michael Deutschmann, MSc
Akad. Mentalcoach & Supervisor
















































