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Schule ist heute mehr als nur Lernen von Fakten. Sie ist ein Raum für Leistung, Vergleiche, Bewertungen und Erwartungen. Von Lehrerinnen, Lehrern, Eltern, Mitschülerinnen, Mitschülern und von den Jugendlichen selbst. Viele Kinder und Jugendliche erleben Druck, Stress, Versagensängste und das Gefühl, nicht zu genügen. Gleichzeitig soll Schule ein Ort sein, an dem Neugier, Talente und Persönlichkeit wachsen können.

Mentale Stärke in der Schule bedeutet, mit Anforderungen so umzugehen, dass Lernen möglich bleibt, Selbstvertrauen wachsen kann und Rückschläge nicht zur Dauerschleife werden. In diesem Artikel schauen wir uns an, wie Kinder und Jugendliche mentale Stärke aufbauen können, wie Eltern und Lehrkräfte unterstützen können und welche Rolle professionelle Begleitung spielt, wenn der Druck zu groß wird.

Was mentale Stärke in der Schule bedeutet

Mentale Stärke heißt nicht, immer gut gelaunt zu sein oder nie Angst vor einer Prüfung zu haben. Sie bedeutet, mit Druck, Fehlern, Konflikten und Unsicherheiten so umzugehen, dass ein junger Mensch handlungsfähig bleibt, lernen kann und sich nicht innerlich aufgibt.

Dazu gehören unter anderem:

  • Selbstvertrauen: das Gefühl „ich kann etwas bewirken“, auch wenn es schwierig wird.
  • Umgang mit Fehlern: Fehler als Teil des Lernens zu sehen und nicht als Beweis von „Dummheit“ oder „Versagen“.
  • Fokus und Konzentration: sich in einer Welt voller Ablenkungen auf eine Aufgabe einlassen zu können.
  • Emotionale Regulation: mit Angst, Ärger, Traurigkeit oder Frust so umzugehen, dass sie nicht alles dominieren.
  • Resilienz: nach Rückschlägen wieder aufstehen zu können.

Als akademischer Mentalcoach, Supervisor, psychosozialer Berater und Change-Manager sehe ich Schule auch als System. Kinder und Jugendliche reagieren nicht nur auf Noten, sondern auch auf die Atmosphäre in der Klasse, das Verhalten von Erwachsenen, den Druck von außen und innere Themen, die sie mitbringen.

Typische mentale Herausforderungen von Schülerinnen und Schülern

Leistungsdruck und Prüfungsangst

Schularbeiten, Tests, Referate, mündliche Noten. Viele Jugendliche erleben vor diesen Situationen starke Anspannung. Herzklopfen, schwitzende Hände, flacher Atem, kreisende Gedanken. Aus Leistungsdruck wird schnell Prüfungsangst.

Typische Gedanken:

  • „Wenn ich diese Schularbeit verhaue, ist alles aus.“
  • „Ich darf mir keinen Fehler erlauben.“
  • „Alle anderen sind besser als ich.“

Diese Gedanken erzeugen genau das Gegenteil von dem, was Lernen braucht. Statt Klarheit und Zugang zu Wissen entsteht Blockade. Mentale Stärke bedeutet hier, andere innere Sätze zu entwickeln und den Druck in handhabbare Teile zu zerlegen.

Vergleich und Selbstwert

In der Schule werden Kinder und Jugendliche ständig verglichen. Noten, Leistungen, Sport, Auftreten. Soziale Medien verstärken diesen Vergleich. Wer ist „klug“, wer ist „schwach“, wer ist „cool“, wer ist „außen vor“.

Wenn sich ein junger Mensch über Noten und Rückmeldungen definiert, kann der Selbstwert leicht ins Wanken geraten. Mentale Stärke heißt, zu lernen:

  • „Ich bin mehr als meine Noten.“
  • „Ich habe Stärken, auch wenn ich in manchen Fächern kämpfe.“
  • „Mein Wert hängt nicht an einer einzigen Prüfung.“

Konflikte, Mobbing und soziale Spannungen

Schule ist auch ein sozialer Raum. Freundschaften, Cliquen, Ausgrenzung, Streit, digitaler Druck. Wenn ein Kind oder Jugendlicher sich in der Klasse nicht sicher fühlt, leidet auch die Lern- und Konzentrationsfähigkeit.

Mentale Stärke bedeutet hier:

  • eigene Grenzen spüren und, wo möglich, ausdrücken zu lernen.
  • zu wissen, dass man sich Hilfe holen darf.
  • Strategien zu entwickeln, um nicht alles „in sich hineinzufressen“.

Für Eltern, Lehrkräfte und Schulen bedeutet es, aufmerksam hinzuschauen, Strukturen zu schaffen und Unterstützungsangebote bereitzustellen.

Mentale Werkzeuge für Schülerinnen und Schüler

1. Atemtechniken gegen Prüfungsstress

Atmung ist ein einfacher, kraftvoller Zugang zum Nervensystem. Vor Prüfungen, Tests oder Präsentationen kann eine kurze Atemübung helfen, Angst zu regulieren und den Kopf freier zu machen.

Eine einfache Atemtechnik:

  • Setze dich aufrecht hin, beide Füße auf dem Boden.
  • Atme langsam durch die Nase ein und zähle innerlich bis vier.
  • Halte den Atem kurz, zähle bis zwei.
  • Atme durch den Mund bis sechs oder acht aus.
  • Wiederhole das fünf bis acht Mal.

Diese Übung lässt sich unauffällig in der Klasse, auf dem Gang oder zu Hause vor dem Lernen anwenden. Sie signalisiert dem Körper „es ist in Ordnung“, auch wenn es gerade aufregend ist.

2. Mentale Vorbereitung auf Prüfungen

Viele Jugendliche gehen innerlich unvorbereitet in Prüfungen. Sie hoffen, dass es irgendwie gut geht, und malen sich gleichzeitig Horrorszenarien aus. Mentale Vorbereitung bedeutet, ein inneres Skript aufzubauen.

Dazu gehören:

  • ein realistischer Lernplan in den Tagen davor.
  • ein klares Ritual am Abend vor der Prüfung und am Morgen selbst.
  • ein oder zwei stärkende Sätze, die innerlich wiederholt werden.

Beispiele für innere Sätze:

  • „Ich habe mich vorbereitet, ich gebe jetzt mein Bestes.“
  • „Ich konzentriere mich auf eine Aufgabe nach der anderen.“
  • „Ich darf nervös sein und kann trotzdem denken.“

3. Selbstgespräche erkennen und verändern

Jugendliche führen wie wir alle ständig Selbstgespräche. Viele davon sind kritisch. „Ich bin dumm“, „ich kapiere das nie“, „die anderen sind schlauer“. Wenn solche Sätze zum Dauerprogramm werden, greifen sie den Selbstwert direkt an.

Ein erster Schritt ist, diese Sätze überhaupt zu bemerken. Ein zweiter Schritt ist, sie bewusst zu verändern.

Statt:

  • „Ich bin dumm in Mathe.“

besser:

  • „In Mathe habe ich es gerade schwer, aber ich kann üben und mir Hilfe holen.“

Statt:

  • „Ich schaffe das nie.“

besser:

  • „Ich bin noch nicht da, wo ich hinwill, aber ich kann Schritte gehen.“

Solche Veränderungen klingen einfach, haben aber tiefgreifende Wirkung, wenn sie regelmäßig geübt werden.

Wie Eltern ihre Kinder und Jugendliche mental stärken können

1. Fehler erlauben, ohne den Anspruch zu verlieren

Viele Eltern wollen das Beste für ihre Kinder und setzen daher auf Leistung, Sicherheit und gute Noten. Unbewusst entsteht schnell die Botschaft „du bist nur gut, wenn du gute Noten hast“. Das erzeugt Versagensangst.

Elterliche Unterstützung kann so aussehen:

  • Interesse am Lernweg zeigen, nicht nur an den Ergebnissen.
  • Fehler als Lernchancen zu besprechen, nicht als Katastrophe.
  • Erfolge zu feiern, aber auch Anstrengung und Dranbleiben wertzuschätzen.

2. Über Druck sprechen, statt ihn zu verstärken

Wenn Jugendliche sagen „ich habe Angst vor der Schularbeit“, ist es hilfreich, zuzuhören, nachzufragen und gemeinsam Lösungen zu suchen. Sätze wie „stell dich nicht so an“ oder „das wird schon“ sind gut gemeint, helfen aber selten.

Hilfreicher sind:

  • „Was genau macht dir Angst?“
  • „Was würde dir helfen, dich besser vorzubereiten?“
  • „Wie kann ich dich konkret unterstützen?“

3. Eigene Haltung zu Leistung reflektieren

Eltern geben nicht nur Worte weiter, sondern auch Haltungen. Wer als Erwachsene oder Erwachsener selbst stark unter Leistungsdruck steht, gibt diesen oft unbewusst weiter. Es kann hilfreich sein, die eigenen Muster anzuschauen und, wenn nötig, Unterstützung zu holen. Auch das ist ein Modell für Kinder. Zu zeigen, dass man sich Hilfe holen darf.

Wie Lehrkräfte mentale Stärke in der Schule fördern können

Lehrkräfte haben einen großen Einfluss auf die mentale Entwicklung von Schülerinnen und Schülern. Sie erleben die Jugendlichen im Alltag, sehen Muster, können Rahmen setzen und Gesprächsanlässe schaffen.

1. Fehlerkultur und Rückmeldungen

Wie über Fehler gesprochen wird, prägt sehr stark. Werden Fehler nur rot angestrichen und negativ bewertet oder gibt es auch konstruktive Rückmeldungen, die Wege aufzeigen?

Eine förderliche Fehlerkultur könnte heißen:

  • Fehler als normale Bestandteile des Lernens zu benennen.
  • positive Aspekte zuerst zu erwähnen, dann Entwicklungspotenziale.
  • klar zu kommunizieren, dass eine Note eine Momentaufnahme ist, nicht der Wert eines Menschen.

2. Kleine mentale Werkzeuge in den Unterricht integrieren

Schon wenige Minuten können einen Unterschied machen:

  • kurze Atemübung vor großen Tests.
  • eine „Stille-Minute“ zum Ankommen.
  • Reflexionsfragen am Ende einer Stunde, zum Beispiel „was habe ich heute gelernt?“, „was ist mir gut gelungen?“.

Solche Elemente stärken nicht nur die Einzelnen, sondern auch die Klassengemeinschaft.

3. Zusammenarbeit mit Eltern und externen Fachpersonen

Wenn Lehrkräfte merken, dass ein Kind oder Jugendlicher stark leidet, ist es wichtig, nicht allein zu bleiben. Im Rahmen von Schulsozialarbeit, Mentalcoaching oder Supervision können weitere Perspektiven und Hilfen eingebunden werden. Für Schulen kann auch die Zusammenarbeit mit externen Expertinnen und Experten aus Mentalcoaching, Supervision oder Organisationsentwicklung sinnvoll sein.

Wann professionelle Unterstützung wichtig ist

Manchmal ist der Druck in der Schule so groß, dass Kinder und Jugendliche alleine, mit Eltern oder Lehrkräften an Grenzen stoßen. Dann ist professionelle Unterstützung sinnvoll und wichtig.

Hinweise können sein:

  • anhaltende Schlafprobleme wegen Schule.
  • starke körperliche Beschwerden ohne klare medizinische Ursache (Bauchweh, Kopfweh, Übelkeit vor Schule).
  • Rückzug, Antriebslosigkeit, deutlicher Leistungsabfall.
  • Ausgeprägte Prüfungsangst, Versagensangst oder Panik.
  • Hinweise auf Mobbing oder starke soziale Ausgrenzung.

Hier können Mentaltraining und Mentalcoaching wichtige Entlastung und neue Perspektiven bringen.

Konkrete nächste Schritte für mehr mentale Stärke in der Schule

Für Schülerinnen und Schüler

  • Schreibe auf, welche Schulsituationen dich am meisten stressen.
  • Überlege, welche Gedanken du dann hast und wie du sie verändern könntest.
  • Wähle eine Atemübung und nutze sie eine Woche lang vor Tests oder beim Lernen.
  • Suche dir eine Person, mit der du ehrlich über deinen Druck sprechen kannst.

Für Eltern

  • Sprich mit deinem Kind regelmäßig über dessen Erleben in der Schule, ohne sofort zu bewerten.
  • Frage bewusst nach Gefühlen, nicht nur nach Noten.
  • Achte auf deine eigene Sprache über Schule und Leistung.
  • Hole dir Unterstützung, wenn du merkst, dass die Situation euch alle belastet.

Für Lehrkräfte und Schulen

  • Integriere kleine mentale Übungen in den Unterricht.
  • Reflektiere mit Kolleginnen und Kollegen eure Fehler- und Rückmeldekultur.
  • Nütze Supervision oder Coaching, um schwierige Fälle und Belastungen im Kollegium zu bearbeiten.
  • Baue wo möglich Netzwerke mit externen Fachpersonen aus Mentalcoaching, psychosozialer Beratung und Organisationsentwicklung auf.

Fazit: Mentale Stärke in der Schule als Grundlage für das Leben

Schule ist ein wichtiger Lebensabschnitt. Sie prägt nicht nur Wissen, sondern auch Selbstbild, Umgang mit Druck, Resilienz und die Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen. Mentale Stärke in der Schule ist kein Luxus, sondern eine grundlegende Ressource für das weitere Leben. Für Ausbildung, Beruf, Beziehungen, Führung und persönlichen Weg.

Mit bewusster Unterstützung, einfachen mentalen Werkzeugen und einer Haltung, die Fehler, Emotionen und Entwicklung zulässt, können Kinder und Jugendliche lernen, Herausforderungen als Chancen zu sehen. Gerne begleite ich Familien, Jugendliche, Schulen und Teams auf diesem Weg, damit Lernen wieder mehr Raum für Freude, Neugier und Wachstum bekommt.

 


Michael Deutschmann, MSc

Zert. Change-Manager, Akad. Mentalcoach & Supervisor

Persönlichkeits-, Team- & Organisationsentwicklung

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Herzliche Grüße

Michael Deutschmann, MSc

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