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Einleitung: Wenn Change nicht nur den Prozess, sondern dich trifft

Du kennst das: Ein Veränderungsprogramm startet – und plötzlich fühlt sich alles enger an. Mehr Meetings. Mehr Erwartungsdruck. Weniger Klarheit. Und irgendwo zwischen Strategie-Deck, Zeitplan und „Wir müssen da jetzt durch“ spürst du: Change ist nicht nur ein Projekt. Change ist ein innerer Zustand.

Vielleicht bist du Führungskraft. Vielleicht Change-Verantwortliche:r. Vielleicht ein:e Mitarbeiter:in, die/der „einfach funktionieren“ soll. Und du merkst: Menschen reagieren extrem unterschiedlich. Manche packen sofort an. Andere sind still, abwartend, zynisch. Und wieder andere blocken ab, als würden sie eine andere Realität bewohnen.

In diesem Artikel bekommst du drei Dinge:

  • Ein klares, wissenschaftlich fundiertes Modell aus einer aktuellen Studie (Frontiers in Psychology, 2024), das 6 Profile der Veränderungsbereitschaft beschreibt.
  • Eine Praxis-Übersetzung: Woran du die Profile erkennst – ohne Menschen zu reduzieren.

Mein Fokus dabei: Herausforderungen als Chancen nutzen – nicht als Floskel, sondern als trainierbare Fähigkeit, die du im Alltag abrufen kannst.

Worum es in der Studie ging – kurz, klar, relevant

Die Studie von Köhler, Ritter & Kauffeld (2024) untersuchte in einem Unternehmen der Stahlindustrie (N = 427 Mitarbeitende) während einer Transformation, ob sich Organizational Readiness for Change (ORC) in verschiedene Profile einteilen lässt – und ob diese Profile mit Faktoren wie Optimismus und wahrgenommener Fairness zusammenhängen. Außerdem: Ob Profile Unterschiede in Arbeitszufriedenheit und Kündigungsabsicht erklären.

ORC wurde dabei nicht eindimensional verstanden, sondern über fünf Facetten:

  • Organizational Valence: „Ist die Veränderung wichtig/sinnvoll für die Organisation?“
  • Individual Valence: „Bringt mir diese Veränderung persönlich etwas?“
  • Positive Affect: positive Emotionen gegenüber dem Change
  • Negative Affect: negative Emotionen gegenüber dem Change
  • Change Behavior: verhaltensbezogene Unterstützung (z. B. Infos suchen, Austausch, Unterstützung)

Ergebnis: Es wurden 6 ORC-Profile identifiziert – und diese hängen relevant mit Optimismus sowie interpersoneller und informationaler Gerechtigkeit zusammen. Und: Die Profile unterscheiden sich in Zufriedenheit und Intention zu gehen.

Die 6 Change-Profile: Was du im Team wirklich siehst

Wichtig: Das sind keine „Schubladen-Menschen“. Es sind Reaktionsmuster unter Druck. Und Muster kann man verstehen – und verändern.

1) Die Proaktiven: „Ich sehe Sinn – und ich handle.“

Typisches Bild: hohe Bereitschaft, viel Energie, konstruktiv, lösungsorientiert. Proaktive sehen Nutzen fürs Unternehmen und für sich selbst, haben mehr positive und weniger negative Emotionen, zeigen sichtbares Change-Verhalten.

Woran du sie erkennst: Sie fragen nach, vernetzen, bringen Ideen, ziehen Kolleg:innen mit.

Chance: Proaktive sind potenzielle Change-Champions – aber sie brauchen Schutz vor Überlastung.

2) Die Akzeptierenden: „Ich bin dabei – auch wenn nicht alles glänzt.“

Akzeptierende sind grundsätzlich auf Linie, aber nicht so stark treibend wie Proaktive. Sie machen mit, tragen mit, sind oft stabile „Mitte“.

Woran du sie erkennst: zuverlässig, aber weniger initiativ; warten manchmal auf klare nächste Schritte.

Chance: Aus Akzeptierenden werden Proaktive, wenn du Individual Valence erhöhst: „Was bringt es dir konkret?“

3) Die Offenen: „Für die Firma sinnvoll – für mich noch unklar.“

Offene sehen stark, dass der Change organisatorisch notwendig ist, aber spüren den persönlichen Nutzen weniger.

Woran du sie erkennst: Sie sagen Dinge wie: „Ja, verstehe ich – aber was heißt das für meine Rolle?“

Chance: Genau hier entscheidet sich Bindung. Wenn der persönliche Nutzen nicht sichtbar wird, kippt Offenheit schnell in Zögern.

4) Die Neutralen: „Ich warte ab – und halte mich raus.“

Neutrale liegen in allen Dimensionen „mittel“, zeigen aber das geringste Change-Verhalten. Das ist wichtig: Nicht „dagegen“, aber auch nicht „dafür“.

Woran du sie erkennst: wenig Wortmeldungen, machen Dienst nach Vorschrift, keine Reibung – aber auch keine Energie.

Chance: Neutralität ist oft eine Schutzstrategie. Mit Sicherheit, Klarheit und kleinen Beteiligungsformaten kommt Bewegung rein.

5) Die Zögerlichen (Reluctants): „Ich sehe Sinn – aber ich fühle Widerstand.“

Reluctants erkennen die organisatorische Notwendigkeit, erleben aber wenig persönlichen Nutzen, wenig positive und viel negative Emotionen.

Woran du sie erkennst: „Ich verstehe es – aber ich kann mich nicht damit anfreunden.“ Häufig mit Ärger, Müdigkeit, innerem Rückzug.

Chance: Hier wirkt kein „Mehr Druck“. Hier wirkt Beziehungsqualität, Anerkennung und ein sauberer Umgang mit Emotionen.

6) Die Ablehner (Deniers): „Das ist nicht mein Thema.“

Sehr niedrige Sinnwahrnehmung (organisational und individuell), wenig positive Emotionen, viel negative. Eher geringes Change-Verhalten.

Woran du sie erkennst: Abwertung, Bagatellisierung, „Das geht vorbei“, „Das ist wieder so ein Trend“ – oder komplette Funkstille.

Chance: Ablehnung ist oft ein Ausdruck von Überforderung oder fehlendem Vertrauen. Der Schlüssel ist nicht Überzeugen, sondern Kontakt herstellen und Informations- & Beziehungsgerechtigkeit erhöhen.

Die zwei Hebel, die in der Studie besonders zählen: Optimismus & Fairness

Optimismus: nicht naiv – sondern psychologische Handlungsfähigkeit

Die Studie zeigt: Optimismus sagt Profilzugehörigkeit stark voraus – Proaktive berichten höhere Optimismuswerte. Das ist kein „Alles wird gut“-Denken. Es ist die Fähigkeit, im Stress innerlich die Tür offenzuhalten: „Ich finde einen Weg.“

Mentale Übersetzung: Optimismus ist oft das Resultat von:

  • trainierten Selbstgesprächen („Ich kann Einfluss nehmen.“)
  • Erfahrungen von Selbstwirksamkeit („Ich habe schon Schwieriges geschafft.“)
  • emotionaler Regulation (Körper runterfahren, damit der Kopf wieder arbeiten kann)

Informationale & interpersonelle Gerechtigkeit: der unterschätzte Change-Turbo

Ein zentrales Ergebnis: Wie fair Menschen Kommunikation und Umgang erleben, unterscheidet Profile – besonders zwischen Proaktiven und Ablehnern.

  • Informationale Gerechtigkeit heißt: Informationen kommen rechtzeitig, wahrhaftig, konkret, nachvollziehbar.
  • Interpersonelle Gerechtigkeit heißt: respektvoller Ton, Würde, echtes Zuhören, kein Herablassen.

Change-Realität: Du kannst eine gute Strategie haben – wenn Menschen sich schlecht behandelt oder nicht informiert fühlen, kippt Bereitschaft. Und dann steigen Reibung, Zynismus, Fehlzeiten oder Kündigungsimpulse.

Praxis: Wie du die Profile nutzt – ohne Menschen zu etikettieren

Wenn du Profile „diagnostisch“ nutzt, ohne Beziehung, wird es gefährlich. Wenn du sie als Landkarte nutzt, wird es kraftvoll.

Mini-Check-in für dich (Führung/Change): 3 Fragen, die sofort Klarheit bringen

  • Sinn (Organisation): Versteht die Person, warum der Change für das Unternehmen wichtig ist?
  • Sinn (Ich): Sieht die Person einen persönlichen Nutzen oder zumindest eine faire Perspektive?
  • Emotion & Energie: Ist das Nervensystem eher „offen“ (Neugier) oder „zu“ (Fight/Flight/Freeze)?

Das reicht oft, um die nächste Intervention passend zu setzen.

Warum professionelle Begleitung im Change der Hebel ist (und kein Luxus)

Die Studie macht deutlich: Veränderungsbereitschaft ist nicht nur „Einstellung“. Sie ist ein Zusammenspiel aus Sinn, Emotion und Verhalten – und sie hängt stark davon ab, wie fair Menschen Kommunikation und Umgang erleben.

Genau hier setzt professionelle Begleitung an:

  • Mentalcoaching stabilisiert Fokus, Selbstgespräche, Druckregulation und Resilienz (wie im Spitzensport – nur im Business-Kontext).
  • Supervision schafft Reflexionsräume, entlastet Teams, klärt Dynamiken und verhindert verdeckte Eskalationen.
  • Change-Management-Beratung sorgt für saubere Kommunikations- und Beteiligungsarchitektur – damit Fairness nicht „Zufall“ bleibt.

Wenn du Change nur über Maßnahmen führst, verlierst du Menschen. Wenn du Change über Menschen führst, gewinnen Maßnahmen.

Abschluss: Kernaussagen, die du sofort nutzen kannst

  • Menschen reagieren im Change nicht „komisch“, sondern musterhaft – und Muster kann man beeinflussen.
  • Die Studie zeigt 6 Profile der Veränderungsbereitschaft – mit klaren Unterschieden in Sinn, Emotion und Verhalten.
  • Optimismus sowie informationale und interpersonelle Gerechtigkeit sind zentrale Hebel.
  • Mentale Tools (Atmung, Selbstgespräche, Imagination) sind keine Esoterik – sie sind Performance- und Führungswerkzeuge.
  • Professionelle Begleitung macht den Unterschied, weil sie Struktur, Resonanz und Umsetzungsstärke verbindet.

Next Steps: 5 Fragen/Schritte für dich (heute oder diese Woche)

  • 1) Wo stehst du selbst gerade: proaktiv, akzeptierend, offen, neutral, zögerlich oder ablehnend – und warum?
  • 2) Was fehlt dir (oder deinem Team) an Information, um Sinn und Richtung zu spüren?
  • 3) Was braucht es an Respekt & Umgang, damit Gespräche wieder sicher werden?
  • 4) Welche 90-Sekunden-Routine (Atmung + Satz) nutzt du vor kritischen Meetings?
  • 5) Wer im System braucht jetzt einen klaren Raum: Einzelcoaching, Teamsupervision oder Change-Sparring?

Wenn du willst, können wir genau daraus einen klaren, umsetzbaren Fahrplan bauen – für dich, dein Team oder die gesamte Organisation: mental stabil, strategisch sauber und menschlich wirksam.

Quelle:
Köhler A, Ritter M and Kauffeld S (2024) A typology of organizational readiness for change based on a latent profile analysis. Front. Psychol. 15:1453836.


Michael Deutschmann, MSc

Zert. Change-Manager, Akad. Mentalcoach & Supervisor

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Herzliche Grüße

Michael Deutschmann, MSc

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